Wirtschafts-Plattform
Gesundheit GV
RAG-Chef Markus Mitteregger, Bürgermeisterin Dagmar Fetz-Lugmayr, Amtsleiter Reinhard Haider (v.l.n.r.)
über die Zukunft von Erdgas, Erdöl und Wasserstoff und was der Sport damit zu tun hat
Der Kremsmünsterer Markus Mitteregger ist in den letzten Jahren bei der RAG Austria als innovativer Manager österreichweit hervorgestochen und schlägt hier den Bogen von Kremsmünster zur internationalen Energiewelt. Fachlicher Hintergrund: Mitteregger ist seit 2003 Vorstand und seit 2008 CEO der RAG Austria AG; sein Bildungsweg führte vom Stiftsgymnasium Kremsmünster über Erdölwesen in Leoben bis zum MBA in Kalifornien. Die RAG arbeitet heute stark an Wasserstoffproduktion und saisonaler Speicherung erneuerbarer Energie, etwa mit dem „Underground Sun Storage“-Projekt. Er hat auf nachstehende Fragen gerne Antworten gegeben:
Die Region rund um Kremsmünster hat sich industriell stark weiterentwickelt und zeigt heute eindrucksvoll, wie viel Innovationskraft und internationale Stärke in regionalem Umfeld entstehen kann. Darauf kann Kremsmünster und Oberösterreich zu Recht stolz sein. Entscheidend ist, diese Stärke gemeinsam weiterzuentwickeln – mit Weitblick, Bodenständigkeit und dem Anspruch, nachhaltige Lösungen für die Zukunft zu schaffen.
Die Entwicklung entstand aus einer klaren Notwendigkeit heraus: Die damaligen Eigentümer der RAG (Mobil und Shell) legten den Fokus nur auf die Förderung von Erdöl und Erdgas. Damit war langfristig in Österreich keine Weiterentwicklung möglich. Große europäische Erdgas-Importeure und Versorger hatten zunehmend Bedarf an Speichermöglichkeiten. RAG konnte mit gezielten Investitionen saisonale Speicherkapazitäten aufbauen und Lagerstätten nachhaltig nutzbar machen. Heute ist RAG der viert größte Speicherbetreiber der EU.
Dazu war bereits Anfang der 2010er-Jahre absehbar, dass die Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen – insbesondere aus Photovoltaik – stark zunehmen würde und damit auch der Bedarf an saisonaler Speicherung, etwa mittels Wasserstoff, steigt. Heute verfügen wir über die entsprechenden Lösungen und können diese Leistungen erfolgreich anbieten.
Ich sehe Erdgas und Erdöl als wertvolle Rohstoffe, die auch künftig eine wichtige Rolle spielen werden – jedoch zunehmend als Rohstoffe und weniger als klassische Brennstoffe. Rohöl ist in vielen Bereich nicht wegzudenken und wir haben in Krift - frei zugänglich - viele Beispiele von unverzichtbaren Ölprodukten des täglichen Lebens dargestellt.
Auch in Erdgas (Methan) steckt weitaus mehr als Energie: Ebenfalls in Krift steht eine Entwicklungsanlage, die aus Erdgas ohne Emissionen Wasserstoff und reinen Kohlenstoff erzeugt. Mit dem Wasserstoff speisen wir ein Blockheizkraftwerk, um damit grüne Wärme für Kremsmünster zu erzeugen. Der Kohlenstoff wird erfolgreich zur Bodenverbesserung und als innovatives Material eingesetzt.
Vielen ist inzwischen bewusst: Der Ausbau der Solarstromproduktion geht stetig voran, Sonne, Licht und lange Tage haben wir aber nur im Sommerhalbjahr. Wind weht dann und wann, jedenfalls nicht zuverlässig und wochenlang manchmal gar nicht. Energie brauchen wir aber verlässlich und bedarfsgerecht und vor allem im Winter als Wärme und Strom. So wie in der Landwirtschaft Wachstum und Ernte nur in den sonnenreichen Monaten passiert und für den Winter gelagert wird, so braucht auch das Energiesystem „Lager“. Batterien und Pumpspeicher sind Tagesspeicher für den kurzfristigen Ausgleich. Wir bauen mit unseren unterirdischen Speichern aber die saisonalen „Lager“, mit denen man längere Flauten überbrückt und über den Winter kommt. Diese gibt es bislang für erneuerbaren Strom weltweit nicht. So ermöglichen wir volkswirtschaftlich sinnvolle Investitionen in den Ausbau erneuerbarer Energien und tragen gleichzeitig dazu bei, sommerliche Überschüsse und winterliche Importabhängigkeit im Energiesektor nachhaltig zu reduzieren.
Die Entwicklungsarbeit in den letzten 15 Jahren war aufwendig und komplex. Unser Vorbild ist die Natur: Wenn man genau hinsieht, wie viele ausgeklügelte Möglichkeiten die Evolution in Flora und Fauna entwickelt hat, um den Winter zu überbrücken, so war dies auch für mich der stärkste Antrieb. In einer erneuerbaren Welt, die irgendwann nicht mehr auf bereits vorhandene (fossile) Energieformen als Reserve zurückgreifen kann, haben wir keine Wahl als über Sonnen-Speicher den Winter abzusichern.
Innovation, Geduld und vor allem ganzheitliches übergreifendes Denken und Handeln im Bereich Energie und nicht die Einengung auf Stromproduktion allein. Viele Energiethemen werden einfach nicht zu Ende gedacht. Und zwischen Energieproduktion und Energieversorgung wird leider oft nicht unterschieden. Dies ist aber essenziell: Am Ende wollen alle mit jeder notwendigen Energieform VERSORGT werden. Ein PV Panel oder Windrad PRODUZIERT lediglich Strom, versorgt aber keinen Haushalt, keinen Industriebetrieb und kein Fahrzeug mit bedarfsgerechter Energie. Die Unterscheidung zwischen Produktion und Versorgung ist schon mal ein wichtiger Anfang und damit ist schon weit über die Gemeindegrenzen hinweg gedacht.
In kleinen Regionen ist Energie erlebbarer, aber trotzdem wird einem bewusst, dass der Weg, um sich nur halbwegs unabhängig zu machen, ein sehr weiter ist. Kremsmünster ist ein gutes Beispiel dafür. Wir haben hier ein gutes Nebeneinander der klassischen Öl- und Gasproduktion neben Solarpanelen und erneuerbarem Strom. In der nationalen und europäischen Energiepolitik wird teilweise wild gegen Öl- und Gas polemisiert, um dann schmerzlich festzustellen, dass man weiterhin massiv abhängig ist. Man hat nur die Lieferanten getauscht oder gegen sich aufgebracht. Ein stärkeres, konstruktives und nachhaltiges Einbinden der bisherigen Lieferanten der fossilen Energie würde den Übergang deutlich erleichtern.
Oberösterreich ist ideal, um die erneuerbaren Energien, die sehr starke und innovative Industrie und den Vorteil der kurz- und langfristigen Speicher zu einer Vorzeigeregion zusammenzubringen. Wir setzen heute schon bewusst auf österreichische Zulieferer, die ihre Produkte anhand unserer Projekte laufend verbessern können und damit bessere Entwicklungs- und Vermarktungschancen haben. Gleichzeitig liefern wir bereits Wasserstoff an Industriebetriebe und setzen diesen in unseren Kraftwerken ein. Das Land OÖ hat sich für 2030 als Zwischenziel gesetzt, 3,5 GW Strom mittels Photovoltaik zu produzieren, wodurch wir auch Überschüsse für unsere Wasserstoffproduktion haben werden. Viele Industriebetriebe sind auf Erdgas angewiesen und können dieses teilweise langfristig durch „Sonnenwasserstoff“ aus OÖ ersetzen. Wir realisieren ab 2027 ein erstes Wasserstoffnetz in Oberösterreich, das analog zum Erdgasnetzausbau in den 70er Jahren zuerst auf eigene Quellen setzt. Also hat Oberösterreich heute schon eine zentrale Vorzeigerolle in der europäischen Wasserstoffwirtschaft.
Zum Schluss des Interviews gab es noch eine persönliche Frage von Reinhard Haider, der das Interview führte: „Wenn Sie heute durch Kremsmünster gehen: Gibt es einen Ort oder eine Erinnerung, die Sie daran erinnert, wo Ihr Weg begonnen hat?“ Ja, das ist unsere Faustballanlage, in der ich mich vom Jugendspieler bis zum Staatsmeister „hochgearbeitet“ habe. Dort habe ich Teamgeist, Zielorientierung und Durchhaltevermögen gelernt, schließlich dauert der Weg von der Regionalliga bis zur Bundesliga mindestens 5 Jahre. Und nach 7 Jahren war der Staatsmeister 1991 geschafft.
Förderungen
News-Plattform
Formulare
Immobilien
Termine
Jul| SeptAug
Webcam
Zivilschutz
Gemeindenachrichten