Im Interview: Eveline Breitwieser-Wunderl

Interview mit Mag. Eveline Breitwieser-Wunderl

Eveline Breitwieser-Wunderl managt Vielfalt in der Arbeitswelt

Interview mit Mag. Eveline Breitwieser-Wunderl: Die gebürtige Kremsmünstererin managt bei der Porsche Holding in Salzburg Vielfalt und Inklusion und setzt Impulse rund um die neue Arbeitswelt. 

Wer sind Sie und wann haben Sie Kremsmünster verlassen, um einen eigenen Weg zu gehen? Welche Ausbildung haben Sie? Gab es einen inneren Antrieb?
Eveline Breitwieser-Wunderl: Ich bin als Enkelin im Gasthaus Rottensteiner/zu den drei Pinzgauern aufgewachsen und mit 7 Jahren mit meinen Eltern in die Neuhofstraße gezogen. Nach dem Besuch der Volksschule in Kremsmünster, absolvierte ich das Gymnasium in Schlierbach, wo ich 1992 maturierte. Danach Studium Anglistik und Amerikanistik sowie die Fächerkombination aus Psychologie Philosophie und Pädagogik an der Universität in Salzburg mit Abschluss 1999. Heute wohne ich in Bayern im Landkreis Rosenheim.

In die Automobilindustrie kam ich durch Zufall. Ich schrieb meine Diplomarbeit und arbeitete nebenbei als Assistentin des Vertriebsleiters bei smart in Salzburg. Die Marke war damals neu, jung und aufstrebend. Das hat mich angesprochen. Danach sollte ich eigentlich mein Probejahr am musischen Gymnasium in Salzburg starten, aber es kam anders: der damalige Geschäftsführer von Mercedes-Benz Salzburg bot mir eine Stelle als Marketingleiterin bei der Firma Pappas/Mercedes-Benz Salzburg an. Das war der Startpunkt meiner Karriere in der Automobilbranche.

2001 wechselte ich zu Porsche und war bis 2012 Marketingleiterin für die Porsche Bank AG. Von 2012-2014 war ich für den Personalbereich der Porsche Bank AG verantwortlich und stieg 2016 nach einer Karenzpause (Geburt meiner Zwillinge) im Trainingsbereich wieder ein. 2018 wurde die Stelle innovative Arbeitswelten und Diversität Management neu geschaffen, und ich durfte sie übernehmen.

Heute haben Sie als Diversity- und Inclusion-Managerin in einem der größten Konzerne Österreichs, konkret bei der Porsche Holding in Salzburg, eine verantwortungsvolle Aufgabe. Was begeistert Sie daran bis heute?
Eveline Breitwieser-Wunderl: Die Vielfältigkeit. Eine dynamische Stelle, in der ich mit vielen Stakeholdern zu tun habe. Es geht um Kulturveränderung und dafür braucht es: ein breites Wissen über das Geschäftsmodell und die Organisation sowie gute Vernetzung. Dazu das richtige Gespür, wie man die Sache angeht und man die Menschen mitnimmt.

Abgesehen von den verschiedenen Handlungsfeldern, sind wir ein großer Konzern, der in 29 Ländern tätig ist und über 37.000 Mitarbeitende beschäftigt, eingebettet in einen noch größeren Mutterkonzern, die Volkswagen AG. Das internationale Konzernumfeld finde ich besonders spannend.

Was bedeutet Diversity für Sie ganz persönlich – nicht nur als Managementbegriff, sondern im Umgang mit Menschen?
Eveline Breitwieser-Wunderl: Diversität heißt übersetzt Vielfalt und bedeutet für mich den Menschen in seiner Einzigartigkeit zu verstehen. Jeder und jede von uns bringt einzigartige Fähigkeiten mit. Je inklusiver das Umfeld, also je mehr ich mich zugehörig fühle und je höher die psychologische Sicherheit in meinem Arbeitsumfeld ist, desto besser können Menschen ihre Talente entfalten.

Auf Ihrem Berufsweg haben Sie sich in der Wirtschaft behauptet. Gab es eine Herausforderung oder eine Hürde, an der Sie besonders gewachsen sind?
Eveline Breitwieser-Wunderl: Hürden gibt es immer wieder. Ich finde, es geht darum mit welchem Mindset man ihnen begegnet. Ich sehe sie als Wachstumschancen. Besonders prägend war für mich die Zeit des Wiedereinstiegs nach der Elternzeit. Damals gab es noch kein Home Office und keine Führung in Teilzeit. Heute gibt es beides, dazu habe ich im Konzern beigetragen.

Wenn Sie auf Ihre Laufbahn zurückblicken: Welche Werte aus Ihrer Kindheit und aus Ihrer Heimat haben Sie dabei geprägt?
Eveline Breitwieser-Wunderl: Ich habe von meinen Großeltern gelernt, dass alle Menschen die gleiche Behandlung verdienen. Zusammenhalt ist wichtig und Chancen ergreifen, wenn sie sich bieten. Ich war immer heimatverbunden: sowohl zu Kremsmünster, als auch zu Oberösterreich und Österreich. Ich bin stolz auf meine Wurzeln, sie sind meine Superpower.

Wenn man heute auf Ihre Karriere schaut, wirkt vieles sehr beeindruckend – wie viel Mut hat dieser Weg tatsächlich gebraucht?
Eveline Breitwieser-Wunderl: Der Weg entsteht immer dadurch, dass man ihn geht. Ich hatte eine grobe Vorstellung, wollte führen. Alles andere hat sich ergeben, in dem sich mir Chancen geboten haben, die ich ergriffen habe. Für eine Karriere braucht es immer 3 Faktoren: können, wollen und dürfen.

Selbstbewusstsein und Mut sind Tugenden von mir. Wachstum entsteht immer außerhalb der Komfortzone und auch, wenn man noch unsicher ist oder sich etwas noch nicht zutraut: einfach mal machen!

Wenn Sie heute nach Kremsmünster kommen: Was ist das Erste, das Ihnen ein Gefühl von Vertrautheit und Ankommen gibt?
Eveline Breitwieser-Wunderl: Meine Familie, das Elternhaus. Und meine Verbundenheit zum Ort, vor allem zum Stift und auch zu den guten Wirtshäusern. Ich gehe gerne ins Stift zum Spazieren, wenn Zeit ist in eine Messe in die Stiftskirche. Und ich gehe einmal im Jahr ins Theater. Das ist immer ein Fixtermin. Heimat ist Entschleunigung und ein Gefühl von Vertrautheit, zu Hause ankommen.

Was würden Sie jungen Menschen aus Ihrem Heimatort mitgeben, die ebenfalls große Ziele haben?
Eveline Breitwieser-Wunderl: Traut euch groß zu träumen und lasst euch nicht limitieren weder von euren eigenen Glaubenssätzen noch von eurem Umfeld. Jede:r darf das Leben leben, das zu ihr/ihm passt. No limits!